Kurz beantwortet
Aus einem Grundriss entsteht ein dreidimensionaler Baukörper, wenn drei Dinge im Plan stehen: geschlossene Wandzüge, erkennbare Öffnungen und mindestens ein bemaßtes Maß für den Maßstab. Höhe, Dachform und Geschoßzahl stehen in keinem Grundriss, die geben Sie einmal an. Alles Weitere ist Geometrie: Wandachsen werden extrudiert, Öffnungen ausgeschnitten, Räume beschriftet. Was der Plan nicht zeigt, darf die Software nicht erfinden.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Grundriss beschreibt eine Schnittebene, üblicherweise etwa einen Meter über dem Fußboden. Er enthält Wände, Öffnungen und Räume, aber keine Höhen.
- Für den Maßstab genügt eine verlässliche Angabe: eine Maßkette, ein Maßstabsbalken oder die Bemaßung eines Raums.
- Geschoßzahl, Geschoßhöhe und Dachform kommen aus Ihrer Eingabe, nicht aus dem Plan.
- Je sauberer der Plan, desto weniger Nacharbeit: Vektor-PDF vor Scan, ein Geschoß pro Seite, keine Möblierung im Hintergrund.
Was im Plan steht und was nicht
Ein Grundriss ist ein Horizontalschnitt. Alles, was geschnitten wird, erscheint kräftig: tragende Wände, Stützen, die Laibungen von Fenstern und Türen. Alles darunter oder darüber erscheint dünn oder gestrichelt. Für die Umwandlung in ein Modell zählen genau drei Ebenen dieser Zeichnung.
Wandachsen. Aus ihnen wird der Baukörper. Wichtig ist, dass die Züge geschlossen sind: Wo zwei Wände aufeinandertreffen, müssen die Linien denselben Punkt teilen. Ein Spalt von wenigen Zentimetern im Plan wird später zu einem Loch in der Fassade.
Öffnungen. Fenster und Türen sind im Plan als Unterbrechung der Wand mit Laibung gezeichnet. Ihre Position und Breite übernimmt das Modell eins zu eins. Die Brüstungs- und Sturzhöhe steht dort nicht; sie kommt aus einer Annahme, die Sie ändern können, üblich sind 0,90 m Brüstung und 2,10 m Sturz.
Maßstab. Eine einzige verlässliche Länge genügt. Maßketten am Rand sind ideal, ein bemaßter Raum reicht auch. Fehlt jede Angabe, lässt sich aus der Breite eines Türblatts schätzen, das üblicherweise 0,80 bis 1,00 m misst — dann steht in der Erkennung ein Hinweis, dass geschätzt wurde.
Was Sie selbst angeben
Ein Grundriss weiß nichts über die dritte Dimension. Drei Angaben ergänzen Sie deshalb einmal je Projekt:
- Geschoßzahl — aus einem Grundriss wird sonst ein Bungalow.
- Geschoßhöhe — in Wohnbauten meist 2,80 bis 3,00 m lichte Höhe plus Deckenstärke.
- Dachform — flach, Sattel oder Pult. Die Neigung folgt der Gebäudetiefe.
Mehr braucht es für ein Volumen nicht. Wer genauer werden will, ergänzt den Schnitt als zweiten Plan; daraus lassen sich Höhen ablesen, statt sie zu setzen.
Vektor-PDF, Scan oder Foto
Die Qualität der Vorlage bestimmt die Nacharbeit:
- Vektor-PDF aus dem CAD: die beste Ausgangslage. Linien sind scharf, Maßketten lesbar, Text auswählbar.
- Scan mit 300 dpi: meistens brauchbar. Kritisch sind schwache Bemaßungen und Stempelfelder, die über den Plan ragen.
- Foto vom Papierplan: möglich, aber mit Verzeichnung und Schatten. Fotografieren Sie senkrecht von oben, mit gleichmäßigem Licht und dem ganzen Plan im Bild.
Mehrseitige PDFs sind der Normalfall. Praktisch ist, wenn Sie die Seite mit dem Grundriss selbst auswählen können, statt die ganze Mappe hochzuladen — dann liest die Erkennung nicht das Deckblatt.
Wo die Grenze liegt
Ein Modell aus dem Grundriss ist ein Entwurfsmodell, kein Bauteilmodell. Es kennt keine Schichtaufbauten, keine Statik, keine Haustechnik. Für Massenermittlung oder Kollisionsprüfung brauchen Sie ein BIM-Modell; wie das zusammengeht, steht unter IFC, glTF und GLB.
Auch die Möblierung im Innenraum ist ein Vorschlag. Die Raumgrößen stimmen, weil sie aus dem Plan kommen; Tisch, Sofa und Bett stehen dort, wo ein Raum dieser Größe sie üblicherweise trägt.
Der Ablauf in der Praxis
- Plan hochladen, Seite wählen.
- Erkennung prüfen: Wände, Öffnungen, Räume, Maßstab stehen als Zahlen da.
- Korrigieren, wo nötig — Wandenden ziehen, Öffnung verschieben, Raum benennen.
- Geschoße, Höhe, Dach einstellen.
- Modell drehen, Sonnenstand prüfen, Bilder erzeugen.
Die ersten vier Schritte dauern zusammen selten länger als zehn Minuten. Wie es danach weitergeht, zeigt die 3D-Vorschau.
Quellen und weiterführende Informationen
Häufige Fragen
Brauche ich ein CAD-Programm?
Nein. Ein PDF oder ein Foto des Grundrisses genügt. Ein Vektor-PDF aus dem CAD liefert aber die saubersten Kanten und die geringste Nacharbeit.
Was passiert bei mehreren Geschoßen?
Laden Sie je Geschoß eine Planseite hoch. Der Baukörper entsteht aus dem Erdgeschoß; abweichende Obergeschoße ergänzen Sie als eigenen Plan.
Wie genau ist die Erkennung?
Bei einem bemaßten Plan liegen die Außenmaße erfahrungsgemäß im Bereich weniger Zentimeter. Jede Wand bleibt im Editor verschiebbar, damit Sie Abweichungen sofort korrigieren können.
Kann ich das Modell weiterverwenden?
Ja, das Modell lässt sich als GLB laden und in jedem 3D-Programm öffnen, etwa in Blender, SketchUp oder im 3D-Viewer von Windows.
Über die Redaktion
VEDUTUM Redaktion
Die Redaktion von VEDUTUM, einem Produkt der EA Digital Solutions e.U. in Graz, schreibt über Modellformate, Rendering, Auflösungen, Kamerafahrten und Sonnenstand. Jede Zahl mit Rechenweg oder Quelle, jeder Text von Menschen geprüft.
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